2Guns und 3Genres

By Marco
In Film
Sep 28th, 2013
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Komische Sache: Ich wollte eigentlich einen Actionfilm sehen (jaja, ich habe im Moment eine Neigung zu platten Filmen). Da stehe ich vor der Kinokasse und habe die Auswahl zwischen dem charmanten Betonklops Vin Diesel in seinem neuem „Ich bin viel zu cool für dieses Universum“-Streifen und Bruce WillnochmehrGeld in „Rache der Red-ortenfortsetzung 2“. Oh … und 2Guns in einer Preview? Na, die Entscheidung fällt leicht. 2Guns ist laut Trailer ja auch ein ziemlich platter Actionfilm.

Was soll das denn?

Oder auch nicht. 2Guns weiß glaube ich selber nicht so ganz, was er eigentlich sein will. Der Film mischt Elemente aus vielen Genres. Ich würde ihn jetzt grob als Actionkomödie mit geringem Actionanteil einordnen. Oder als Thriller im Crimebereich. Vielleicht auch als Gangsterkomödie a la „Snatch“. Aus all diesen Genres leiht sich 2Guns Anteile. Leider tut der bunte Genre-Mix der absolut vorhersehbaren Handlung in keiner Weise gut.

Kurzer Storyanriss gefällig? Da sind diese beiden Gangster, die eine Bank ausrauben wollen, in der sie 3 Millionen Dollar von einem Drogenboss vermuten. Leider sind es nicht 3 Millionen Dollar, sondern 43 Millionen. Und das Geld gehört auch nicht dem Drogenbaron, sondern jemanden, der sogar noch angepisster reagieren kann. Das macht aber eigentlich nix, denn die beiden Gangster sind nicht wirklich Gangster. Der eine ist ein verdeckter DEA-Agent, der andere Special OPs Officer der Navy – ohne dass die beiden von ihren Tarnungen wissen natürlich.

Klingt verwirrend? Solche Pseudotwists schmeißt der Film die ganze Zeit ins Publikum und die Story verliert darin zunehmend Reiz und Kontur. Irgendwann hat man raus, wie der Drehbuchautor tickt, ab gut der Mitte des Films war zumindest mir klar was genau da gerade los ist. Die große Auflösung kam deshalb kaum überraschend. Schade.

Das Ende des Films hat mich dann aber gnädig gestimmt: Endlich wird geschossen. Klassischer Shoot-Out. Die Bösen verlieren, die Guten fahren in den Sonnenuntergang. Die moralische Aussage ist dabei bestenfalls zweifelhaft, eher gibt es gar keine echte Moral. Dazu endet der Film an einem Punkt, von dem aus er auch eigentlich noch eine Stunde weiterlaufen könnte.

War das jetzt gut?

Wieso fand ich den Film jetzt eigentlich gut? Ich kam nämlich nicht wirklich enttäuscht aus dem Film und hab mich eigentlich ab den ersten Minuten köstlich amüsiert. Das liegt hauptsächlich am gut aufgelegten Cast: Mark Wahlberg hat kürzlich in Pain & Gain erstgezeigt, dass er wahnsinnig lustig sein kann und auch bei 2Guns werden ihm vom Drehbuch so was von gute Witze und Zoten in den Mund gelegt, dass man wirklich gut unterhalten wird. Denzel Washington spielt gewohnt souverän seinen Part.

Die Beiden arbeiten sehr gut zusammen, so dass der Film gerade am Anfang ein sehr hohes Tempo und sehr guten Wortwitz aufbauen kann. Leider ebbt das Ganze dann nach einer guten halben Stunde ziemlich ab, in der irgendwie nur an der schwachen Story rumgedrechselt wird und die beiden auch kaum gemeinsame Screenzeit haben. Nach ihrer Wiedervereinigung nimmt der Film dann sofort wieder Tempo und Witz auf.

Was stört üblicherweise in so einem Buddymovie? Genau, die unötige und aufgesetzt wirkende Liebesgeschichte. Die weibliche Hauptrolle bleibt leider blass. Dies liegt nicht unbedingt an der Schauspielerin (Paula Patton), sondern eher an der Synchronstimme. Ich kenne den Film im Original noch nicht, kann mir aber nicht vorstellen, dass Patton selbst auch so lächerlich überbetont und teilweise völlig gelangweilt ihren Text runtersäbelt.

Leider kommt der Haupttwist der Story auch aus diesem Teil des Films und kommt genauso unnötig und aufgesetzt rüber.

Fazit

2Guns ist nicht Fleisch und nicht Fisch – und auch nicht Gemüse. Der Film wäre am Liebsten alles, kriegt aber die Kurve nicht. Für eine Actionkomödie fehlt eindeutig Action. Stattdessen wirkt 2Guns über lange Strecken eher wie ein Thriller, bleibt wegen der absehbaren Handlung aber unter seinen Möglichkeiten.

Warum komme ich trotzdem mit einem breiten Grinsen aus dem Film und fühle mich durchaus gut unterhalten? Weil der Film genau das gut hinbekommt. Er unterhält gut. Wahlberg und Washington harmonieren. Die wenigen Actionszenen sind dann immerhin gut inszeniert. Auch wenn der Film sich bei der Action sehr alter Elemente der Genres bedient (Es wird tatsächlich mal wieder mit Autos das Schisshase-Spiel gespielt… wann gab’s dass denn das letzte Mal?). 2Guns bietet zum größten Teil eine gute Komödie, dazu befriedigende Action und platte Crime- bzw. Thriller-Elemente mit einer unnötigen Liebesgeschichte und einem etwas abrupten Ende. Die Einzelteile überzeugen nicht immer, aber zusammengesetzt machts dann doch Spaß.