Memento: Thriller rückwärts

By Jörg
In It´s OWSM!
Okt 24th, 2013
0 Comments
1379 Views

Das Jahr 2000 neigte sich dem Ende zu, draußen wurde es kalt und über die Weihnachtsfeiertage wurde es mal wieder Zeit, einen guten Film zu schauen. Harry Potter lief bereits erfolgreich und mit dem Herrn der Ringe stand der nächste Megaknaller schon in den Startlöchern. Doch das wahre Highlight des Kinojahres hatte sich unauffällig zwischen die Platzhirsche gedrängt. Vor seinem Kinostart lief Memento bereits auf dem Fantasy Film Festival und sorgte dort für Aufsehen.

memento_1

Leonard und sein auftätowiertes Gedächtnis

Leonard Shelby kommt mit einem ihm unbekannten Mann auf einem verlassenen Gelände an. Aus der Tasche zieht er ein Polaroid-Foto des Fremden, darauf steht geschrieben: „Teddy. Er ist es, er hat Deine Frau ermordet, töte ihn.“ So geschieht es.

Szenenwechsel. Leonard Shelby kommt in eine Hotellobby, trifft dort auf den Fremden vom Foto, von dem er freundschaftlich begrüßt wird. Gemeinsam fahren sie in einem Auto los und treffen auf ebenjenem Gelände aus der ersten Szene ein. Leonard zückt das Foto…

Allmählich wird dem Zuschauer klar, was hier passiert. Die Geschehnisse in Christopher Nolans zweitem Spielfilm werden Szene für Szene von hinten aufgerollt. Damit ist der Ausgang des sich entfaltenden Krimis klar, doch bis zum Schluss bleiben die Fragen nach dem wie und dem warum.

Mit diesem genialen Kniff erreicht der Regisseur, dass die Zuschauer genauso im Dunkeln tappen wie Protagonist Leonard, denn der hat vor längerer Zeit sein Kurzzeitgedächtnis eingebüßt. Alles, was ihm seitdem passiert, vergisst er nur Minuten später. Seine letzte bleibende Erinnerung ist die Vergewaltigung und Ermordung seiner Frau. Die Monate (oder Jahre?) danach liegen im Dunkeln. Alle wichtigen Informationen muss er sich irgendwo notieren. Das allerwichtigste lässt Leonard sich sogar eintätowieren. Sicher ist sicher. Nur so kann er sich bleibende Erinnerungen schaffen. Doch sagen Tätowierungen und erst recht Zettel immer die Wahrheit?

memento_2

Nicht gut!

Guy Pearce spielt den Leonard als entwurzelten, völlig haltlosen Besessenen, der nur noch ein Ziel im Leben hat: den Mörder seiner Frau finden, der damals entkommen konnte. Ohne Orientierung, ohne Vergangenheit irrt er durch die Szenerie, verloren, aber unnachgiebig. Mit Joe Pantoliano, der den Teddy so präzise zwischen Freund und Feind spielt, dass der Zuschauer ihn im minütlichen Wechsel mal für das eine, dann wieder für das andere hält, und Carrie-Anne Moss, deren Natalie Leonard meist freundlich gesonnen ist, stehen Pearce zwei Charaktere zur Seite, deren Komplexität zum Vergnügen des Filmes ungemein beitragen.

Regisseur Nolan wiederum gelingt es, dieser pikanten Grundkonstellation eine so raffinierte Geschichte an die Seite zu stellen, dass mit jeder einzelnen Szene alles bisher Geglaubte wieder in Frage gestellt wird. Das kann für einen müden oder unaufmerksamen Zuschauer schnell zum Nachteil werden, denn wer sich nicht durchgängig auf Feinheiten konzentriert, kann den Anschluss verlieren. Wer den Anschluss hält, wird dafür mit dem Intelligentesten belohnt, was Kino seit langem zu bieten hatte. Addiert man die gelungene Optik, die raffinierte Erzählstruktur, die hervorragenden Schauspielleistungen, so gibt es abschließend nur eines, was man zu diesem Film sagen kann: Anschauen! Oder besser noch, zweimal anschauen! Denn glaubt mir, beim zweiten Ansehen werdet Ihr genauso gebannt auf den Bildschirm starren wie beim ersten Mal!

Memento (DVD)


New From: EUR 3,98 In Stock
Used from: EUR 0,64 In Stock