Thor 2 – The Dark Kingdom

By Marco
In Film
Nov 14th, 2013
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Marvel-Filme sind doch eigentlich immer gleich, oder? Es gibt einen Helden und viel Idylle. Dann kommt der Böse, der meist nur deswegen böse ist, weil es gerade cool ist böse zu sein. Der haut den Helden, das Weisse Haus oder den Eiffelturm kaputt. Der Held geht in sich, findet neue Kraft und haut den Bösen um. Abspann. Cliffhanger nach Abspann. Klingt vertraut? Ja. Comics funktionieren nun mal so.

Der zweite Film zum Donnergott Thor bildet da keine Ausnahme. Die neun Welten sind seit der Zerstörung des Bifröst (Handlung von Thor I) in Aufruhr. Thor hat alle Hände voll zu tun Revolten, Plünderungen und Kriege zu beenden. Einer der heftigsten Krisen hatte kürzlich auf der Erde stattgefunden (Handlung von „The Avengers“) und konnte mit der Festnahme von Thors Adoptivbruder und Bösewicht Loki beendet werden, der künftig den Rest seines Lebens im Kerker verbringen sollte.

Blasse Dunkelelfen wollen nur das Eine

Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Konvergenz, dem vollständigen Verschmelzen aller neun Welten, nähert sich nun ein alter, neuer Feind: Die Dunkelelfen, die das Universum wieder in die Dunkelheit stürzen wollen, um aufs Neue über alles zu herrschen. Ihr Anführer Malekith wurde nach einer früheren Auseinandersetzung von den Asen zurückgeschlagen und konnte nur deshalb mit einem Schiff und einer Handvoll Männer entkommen, weil er faktisch sein ganzes Volk opferte. Jetzt will er mit einer alten Waffe die Konvergenz nutzen, um seinen Plan doch noch durchzuführen.

Die Dunkelelfen sind technisch sehr weit fortgeschritten, also eher keine bogenschiessenden Baumliebhaber, die gern im Dunkeln munkeln. Stattdessen fliegen sie mit Raumschiffen und nutzen Laserwaffen. Abgedreht. Die Elfen selbst bleiben, wie viele Bösewichte in Comicverfilmungen, blass. Das liegt nicht nur daran, dass sie rumlaufen wie Kalkleisten, sondern daran, dass ihr Plan und ihre Motivation einfach kaum platter daherkommen könnten. Weltuntergang, ewige Dunkelheit, Allmachtsphantasie. Juhu!

Die ganze Nummer „Wir erzählen zu Beginn einen Schwank aus der Vorvorvorzeit und zeigen wie die Elfen vertrieben wurden, dann gehen wir in die Gegenwart“ gab es auch schon mal bei Hellboy 2. Wirklich unverbraucht ist die Story nicht mehr.

Hör mal wer da lustig hämmert

Leider ist es auch das, was mich an Thor 2 stört. Es gibt den Helden und daneben nur noch ganz wenige Charaktere, die eine Entwicklung durchmachen und durchdacht und lebendig wirken. Andere Charaktere  sind nur dazu da, um den Zuschauern Lacher abzuringen – fast wie in einer Sitcom. Einen darüber hinausgehenden Sinn erfüllen zum Beispiel Darcy und Ian im ganzen Film nicht. Sie sind in einigen Szenen zu sehen, machen ihr Späßchen und der Film geht weiter.

Braucht es so etwas? Muss eine Comicverfilmung auf Teufel komm raus lustig sein? Erst kürzlich wäre dieses Unterfangen fast schief gegangen, als Iron Man 3 fast in das Genre der Komödie abdriftete und sich im Verlauf des Films nur schwerfällig wieder fing.

Ein Marvel-Film ist ein Marvel-Film ist ein Marvel-Film

Aber genug gemeckert. Der Film ist schließlich als solcher kein schlechter, und die Kritik findet eher auf der Metaebene statt. Die dünne Story ist immerhin marveltypisch brachial in Szene gesetzt. Die Actionszenen gehen wie gewohnt richtig ab. Flapsige Sprüche und Pointen kommen am Fliesband. Das Zusammenspiel von Chris Hemsworth als Thor und vor allem Tom Hiddleston als Loki, der natürlich nicht im Gefängnis versauert, ist hervorragend. Die Kampfszenen werden durch unzählige Special Effekts aufgehübscht. Besonders ansehnlich sind dabei die Subraumgranaten der Dunkelelfen.

Der Film endet dieses Mal mit einem gewaltigen Cliffhanger, mehr als der üblichen zarten Andeutung nach dem Abspann. Der Film lässt einen fragend zurück. Das ist leider mittlerweile in vielen Filmen so, und da „The Avengers 2“ so sicher auf uns zukommt wie eine Kugel auf Batmans Vater, werden wir uns für eine Auflösung wahrscheinlich bis ins Jahr 2015 gedulden müssen.

Thor – The Dark Kingdom bietet Popkornkino vom Feinsten. Die guten Aspekte des Vorgängers werden aufgegriffen und ergeben am Ende ein einheitliches, ansprechendes Gesamtbild. Genreüblich solltet ihr euch während und nach dem Film aber keine allzu großen Gedanken machen. Die Handlung ist ein Klischee. Die Charaktere sind Standard. Die Bösewichte sind langweilig. Aber das fällt während des Films nicht auf, da ihr durch gewaltige Action und gute Sprüche abgelenkt werdet. Typisch Marvel eben. Jeder Fan der anderen Filme wird auch diesen Film lieben.