Battlestar Galactica – Hetzjagd nach Kobol

By Marco
In Brett- und Kartenspiele
Jan 30th, 2014
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Vom TV direkt auf den Tisch

Entscheidet sich das Schicksal der Menschheit in diesem Spiel?

Entscheidet sich das Schicksal der Menschheit in diesem Spiel?

Die Menschheit ist so gut wie ausgelöscht. Die zwölf Kolonien wurden von den Zylonen fast vollständig zerstört. Die einzigen Überlebenden sind mit einem Raumschiff unterwegs, das zwar Kampfstern heißt, aber eigentlich gerade in ein Museum umgewandelt werden sollte. Auf der Suche nach einer neuen Heimat werden die verbliebenen Menschen von den Zylonen weiter gejagt. Soviel zur Geschichte der TV-Serie, die dem Brettspiel zu Grunde liegt.

Ihr müsst die Serie nicht kennen, um das Spiel zu verstehen und mit dem Spiel Spaß haben zu können. Allerdings solltet ihr, wenn ihr die Serie noch sehen wollt, zunächst auf das Spiel verzichten, denn das Spiel verrät doch schon einiges aus der Serie.

Das Spiel um Ressourcen und Verrat

Das Spiel ist zunächst einmal ein typisches Ressourcenmanagementspiel. Die Menschheit, repräsentiert durch eine handvoll Charaktere, muss Aufgaben meistern. Dazu stehen den Charakteren Fähigkeiten in Form verschiedenfarbiger Karten zur Verfügung, die pro Zug aber nur begrenzt gezogen werden können. Daher wird es auf jeden Fall dazu kommen, dass Aufgaben nicht erfüllt werden können. Dann verlieren die Spieler wichtige Ressourcen wie Treibstoff, Moral oder Bevölkerung. Erreicht eine der Ressourcen den Wert 0 ist das Spiel für die Menschen verloren. Halten die Menschen aber lange genug durch, symbolisiert durch das Erreichen der Hyperraumsprungdistanz von 8, haben Sie das Spiel gewonnen.

Das klingt noch ziemlich einfach, doch es gibt im Spiel einen entscheidenden Twist: Einer oder mehrere der Mitspieler sind keine Menschen, auch wenn sie so aussehen und sich so verhalten. Sie sind nicht erkannte Zylonen, die die Crew der Galactica unterlaufen haben und versuchen, die Reise der Menschen zu sabotieren. Vor dem Spiel erhalten die Spieler Loyalitätskarten, die ihre Rolle bestimmen. Läuft es doof, kann die Hälfte der „Mitspieler“ eigentlich ein Gegner sein.

Der Feind

Die Zylonen können sich jederzeit zu erkennen geben und in einem letzten großen Sabotageakt den Menschen einen Schlag versetzen. Sie sind aber viel gefährlicher und können mehr Schaden anrichten, wenn sie unerkannt bleiben. Werden sie aber enttarnt und eingesperrt, können sie ihren großen Auftritt vergessen. Enttarnte Zylonen kehren zur Zylonenflotte zurück und ihre Spieler können von dort das Spiel nur noch relativ passiv durch Aktionen beeinflussen.

Wie es sich für ein echtes Science-Fiction-Spiel gehört, gibt es natürlich auch Raumkämpfe. Die Zylonen rücken der Battlestar Galactica mit einer Vielzahl von Jagdmaschinen und Bombern zu Leibe und können sogar Enterversuche starten. Die Menschen müssen diese mit eigenen Jägern abwehren und eindringende Zylonen mit Waffengewalt loswerden, um Zeit zu gewinnen. Dabei helfen vor allem Charaktere der Piloten-Klasse.

Der Freund

Hat man für die Reise die richtigen Charaktere gewählt?

Hat man für die Reise die richtigen Charaktere gewählt?

Eine weitere Klasse ist der Politiker, der sich besonders darauf versteht, die Moral der Menschen beisammen zu halten und nebenbei Präsident zu werden. Dann gibt es Militärs, die mit ihrer Taktik und Führungsqualität die Menschen auf den richtigen Kurs bringen können und hervorragende Admiräle abgeben. Supporter wiederum kümmern sich um die Reparatur beschädigter Raumjäger.

Die Ämter bringen in dieses Vierklassenprinzip noch mehr Würze, weil sie Zusatzaktionen ermöglichen. Der Admiral legt zum Beispiel den Kurs fest und kontrolliert damit den Treibstoffvorrat des Schiffs. Kommt es zu einem Sprung durch den Hyperraum, dann wählt der Admiral das Ziel der Reise. Außerdem hat er die Kontrolle über die zwei Nuklearwaffen des Schiffs. Der Präsident wiederum leitet das politische Gremium und hat Zugriff auf die mächtigen Senatskarten.

Die Ämter sind also eine große Hilfe für die Menschen. Wenn denn die Amtsträger wirklich Menschen sind. Schafft es ein Zylon durch geschicktes Spiel in eines dieser Ämter, kann er natürlich massiven Schaden anrichten.

Zug um Zug nach Kobol

Gespielt wird in vier Phasen pro Zug. Kommt ein Spieler an die Reihe, darf er neue Karten ziehen, macht mit seiner Figur eine Bewegung auf dem Spielplan und führt dann die Aktion des Spielplanfeldes aus. Zum Abschluss zieht er eine Krisenkarte.

Der Spielplan unterteilt sich in die verschiedenen Stationen des Schiffs, an denen unterschiedliche Aktionen möglich sind. So können Spieler in der Waffenkontrolle die Primärwaffen des Schiffs abfeuern. In der Einsatzzentrale können sie Jäger starten oder steuern und im Hangar können sie Reparaturen ausführen.

Die drei Sorten Krisenkarten stellen die größte Hürde dar. Entscheidungskarten erfordern vom aktiven Spieler, demPräsidenten oder dem Admiral eine Entscheidung, meist mit mehr oder weniger guten Konsequenzen. Angriffskarten rufen sofort eine Vielzahl feindlicher Schiffe auf den Plan.

Werden die Fähigkeiten der Menschen ausreichen, um den scheinbar übermächtigen Feind zu schlagen?

Werden die Fähigkeiten der Menschen ausreichen, um den scheinbar übermächtigen Feind zu schlagen?

Zu guter Letzt gibt es die sogenannten Fähigkeitschecks. Diese gibt es in verschiedenen Farben und mit unterschiedlichen Werten. Alle Spieler können nun verdeckt Fähigkeitskarten aus ihrer Hand spielen. Haben die Karten dieselben Farben wie der Check, werden ihre Werte zu einer Summe addiert. Davon wird die Summe der Werte auf nicht passenden Farben abgezogen und das Ergebnis mit dem Wert des Checks verglichen. Liegt das Ergebnis darunter, ist der Check fehlgeschlagen und die negativen Konsequenzen treten sofort in Kraft. Zusätzlich zu den Spielerkarten kommen immer zwei zufällige Karten in den Check, so dass Sabotagen schwerer nachzuvollziehen sind oder einfach um das Misstrauen zwischen den Spielern zu schüren.

Haben die Menschen die halbe Strecke zu ihrem Ziel zurückgelegt, werden noch einmal Loyalitätskarten verteilt. Es kann also passieren, dass ein heißer Verfechter der Menschheit sich ab der Mitte des Spiels plötzlich als Schläferagent der Zylonen entpuppt.

Fazit

„Battlestar Galactica“ spielt mit Vertrauen und Misstrauen in die eigenen Mitspieler. Wer ist Freund und wer ist Zylon und tut nur nett? Das müssen die Menschenspieler erst einmal herausfinden. Und wenn sie den Falschen einsperren, behindern sie das eigene Fortkommen und helfen eher den Zylonen. Die wiederum müssen abwägen, wie lange sie sich versteckt halten wollen und wann es lohnt, die Tarnung aufzugeben.

Das allerdings kann auch zur Crux werden. Ich habe dieses Spiel schon mit vielen Spielern gespielt, die es nicht ertragen konnten, alle am Tisch zu verraten (oder verraten zu werden) oder die falsche Anschuldigungen nicht ertragen konnten. Mit solchen Spielern macht eine Partie „Battlestar Galactica“ wenig Spaß. Und wenn Ihr Spieler am Tisch habt, die Spiele wahnsinnig ernst nehmen, ist das ein sehr guter Garant dafür, dass es ordentlich Zoff gibt. Ihr solltet daher vor einer Partie auf jeden Fall die Grundzüge des Spiels besprechen und sehen, wie die potenziellen Mitspieler reagieren. Es ist definitiv kein Spiel für jedermann.

Für mich bleibt es aber ein herrliches Spiel. Ich war schon ein großer Fan der Serie und das Spiel bringt einen mit seinen Original-Bildern aus der Serie sofort in die richtige Stimmung. Und mit den richtigen Leuten habt ihr eine Menge Freude. Ihr habt als Zylon einen diabolischen Spaß daran die anderen in die Pfanne zu hauen, müsst aber auf der Hut sein nicht zu offensichtlich zu agieren, weil ihr sonst ganz schnell im Gefängnis landet und nicht mehr viel tun könnt. Also bei jedem misslungenen Fähigkeitencheck immer schön traurig gucken!

Die Menschen hingegen erwartet ein knallhartes Ressourcenrennen, bei dem jeder kleine Sabotageakt das Zünglein an der Waage seien kann. Die Verräter müssen gefunden werden und das schnell, sonst haben die Menschen ruckzuck ein Problem. Hier zeigt sich eine weitere Schwäche des Spiels: Es wirft die Spieler ins kalte Wasser. Die Menschenspieler werden von der reinen Masse an Möglichkeiten erschlagen und wissen anfangs meist nicht so recht wohin und weshalb. Hier ist Einspielen gefragt, denn Ihr benötigt erst einmal ein gewisses Spielgefühl, um als Menschen erfolgreich agieren zu können. Die Zeit lässt Euch das Spiel aber nicht, daher weden die Zylonen die ersten Spiele vermutlich gewinnen ohne viel tun zu müssen. Doch mit etwas Erfahrung entfaltet sich ein wirklich tolles Spiel für einen ganzen Abend, das euch Abgründe der Seelen der Mitspieler zeigen wird, die ihr vielleicht noch gar nicht kanntet.

Link zum deutschen Herausgeber des Spiels: http://www.heidelbaer.de/

Link zum deutschen Herausgeber des Spiels: http://www.heidelbaer.de/

Für das Spiel sind mittlerweile drei Erweiterungen erschienen, die das Spiel um zusätzliche Regelmodule erweitern können. So gibt es andere Ziele für die Menschen, ein System für persönliche Konflikte oder auch die Möglichkeit Charaktere zu exekutieren. Alle Erweiterungen sind wie das Grundspiel im Heidelberger Spielverlag erschienen.

Alle Bilder mit freundlicher Unterstützung des Heidelberger Spielverlags.

 

Heidelberger Spieleverlag HEI00164 – Battlestar Galactica, Brettspiel (Spielzeug)


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