Rogue Legacy: Der Nachwuchs solls richten …

By Jörg
In Games
Feb 7th, 2014
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Sir Skunky hat es nicht geschafft. Auch er starb im Schloss seiner Vorfahren, das von allerhand aggressivem Monstergezücht übernommen wurde. Vielleicht ist sein Sohn Sir Gordon erfolgreicher dabei, das Familienanwesen von seinem Fluch zu befreien. Oder seine Enkelin, oder der Urenkel …

Der Name ist Programm

„Rogue“ ist seit den frühen 80ern die Bezeichnung für eine Spiele-Gattung, in der sich der Spieler durch ein Dungeon schlagen muss. Jeder Tod ist permanent, das heißt nach dem Ableben geht es ganz von vorn los. Zusätzlich sind die Dungeons meist zufallsgeneriert, sich Fallen und Gegnerpositionen einzuprägen ist also auch nur sehr begrenzt möglich. Nur mit viel Übung und monatelanger Ausdauer waren diese meist sehr anspruchsvollen Spiele zu knacken.

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Der kurzsichtige Held erkundet das Schloss.

In Rogue Legacy lenkt Ihr die Nachfahren eines Schlossbesitzers durch eben jenes Schloss, um es von ganzen Monsterscharen zurückzuerobern. In einem klassischen Sidescroller springt Ihr über Fallen, weicht von Geistern geschleuderten Feuerbällen aus und bekämpft Ritter, Skelette und andere fantasyübliche Bösewichte. Aufgelockert wird das Geschehen immer wieder durch Events. Ein Clown fordert Euch zu Geschicklichkeitsspielen heraus, eine Truhe steht hinter einem Fallenparcours oder Feen stellen Euch vor besondere Herausforderungen.

Die Steuerung geht gut von der Hand, Sprunghöhe und -richtung lassen sich sehr gut dosieren, das bald bitter nötige Timing versemmelt nicht das Programm, sondern früher oder später der Spieler. Dann werdet Ihr von einem Monster oder einer Falle getroffen und verliert Hitpoints. Wehren könnt Ihr Euch außer mit einem Schwertschlag auch mit einem Magiepunkte kostenden Zauber. Getötete Monster (und zerschlagenes Inventar) hinterlassen oft Gold und selten Manatränke oder Essen, das Eure Hitpoints regeneriert. Doch früher oder später werden Eure Hitpoints auf Null sinken, dann ist der Durchgang beendet.

Das doppelte Vermächtnis

„Legacy“ heißt Vermächtnis. Rogue Legacy sieht sich sehr deutlich als Erbe der frühen Rogue-Spiele und fährt alle klassischen Elemente auf: Ein Dungeon, das Euch mehr Tode bescheren wird als die NSA Handys abhört, Permadeath und ein prozedural in jedem Anlauf neu generiertes Schloss. Gepaart mit dem knackigen Schwierigkeitsgrad garantiert das je nach Qualität Eurer Reflexe dutzende, hunderte, wenn nicht tausende Anläufe bis zur endgültigen Rückeroberung des Schlosses.

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Nachfahren werden stärker dank gekaufter Skills und Items.

Klingt nach viel Frust? Ist es aber nicht, denn Rogue Legacy erlaubt jeder neuen Generation an Schlossbesuchern, von den Fortschritten der Vorfahren zu profitieren und deren Vermächtnis zum eigenen Vorteil zu nutzen. Denn das vom frisch Verstorbenen gesammelte Gold steht seinem Nachfahren zur Verfügung. Bevor sich dieser seinerseits ins Schloss begibt, kann er sich von dem Gold Verbesserungen kaufen, die fortan jeder Generation zur Verfügung stehen. Mehr Hitpoints, mehr Magieschaden, eine neue Fähigkeit, all das hilft beim nächsten Schlossbesuch.

Alternativ könnt Ihr die Goldstücke auch auf dem Markt ausgeben. Der Schmied stellt Euch bessere Rüstungen und Waffen her. Dazu müsst Ihr im Schloss allerdings erst die passenden Blaupausen gefunden haben. Die Verzauberin baut Euch Runen in die Rüstungen ein. Dadurch erhaltet Ihr besondere Fähigkeiten wie einen Doppelsprung oder einen Charge. Und der Architekt unterbindet die prozedurale Neugenerierung des Schlosses beim nächsten Start. Praktisch, wenn Ihr kurz vor einem Boss oder einer Truhe gestorben seid oder einfach nochmal in das gleiche Layout zurückkehren wollt.

Die Ahnengalerie

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Wer soll Sir Skunky beerben?

Für einen neuen Durchgang habt Ihr stets die Wahl zwischen drei Sprösslingen Eures letzten Gamepad-Alter-Egos. Diese unterscheiden sich mitunter deutlich. Einige sind bessere Zauberer, andere haben besonders viele Hitpoints oder schaffen mehr kritische Treffer. Die Ausrichtung hat durchaus signifikanten Einfluss auf den Spielstil.

Daneben haben die Nachkommen bis zu zwei besondere Merkmale. Sie können besonders standfest sein, kurzsichtig, eine Leseschwäche haben oder zu unpassenden Gelegenheiten furzen. Das wirkt sich mal mehr, mal weniger auf die Spielbarkeit aus. Die Leseschwäche etwa führt bei Texten zu Buchstabendrehern, die Kurzsichtigkeit zu in der Ferne abgedunkelter Spielumgebung. Richtig lästig wird es zum Beispiel, wenn der ganze Bildschirm auf dem Kopf steht. Solche Nachkommen sollte man dann lieber zu Hause lassen.

Rogue Legacy schafft es durch diese ganzen auf den klassischen Rogue-Spielstil aufgesetzten Elemente, den Frust aus dem Spiel zu halten. Auch wenn der Tod Euch zum 20. Mal ereilt hat, habt Ihr doch vermutlich immerhin genug Gold mitgenommen, um Eure Hitpoints wieder zu erhöhen oder endlich das bessere Schwert zu bekommen. Dadurch werden Eure Helden nach und nach stärker und das Vorankommen fällt leichter. Was ihr nicht in den Reflexen habt, könnt Ihr durch Geduld wieder ausgleichen.

Rogue Legacy gibt es für 13,99 Euro bei Steam oder für etwas weniger (15 Dollar) direkt beim Entwickler.