Dream Quest: Tödlich grüßt der Sammeltrieb

By Jörg
In Games
Apr 2nd, 2015
0 Comments
1274 Views
dreamquest1

Halbzeit!

Das tolle an einem Sammelkartenspiel ist, dass Ihr das eigene Deck immer weiter verbessert, durch mehr Karten mehr Auswahl habt, besser variieren könnt und so Gegner schafft, die Ihr ein paar Runden zuvor noch nicht geschafft habt. Wie verträgt sich das mit einem Sammelkartenspiel, in dem Ihr bei der ersten Niederlage (fast) alles verliert und im roguestyle wieder von vorne anfangen müsst? Erstaunlich gut.In Dream Quest für iOS spielt Ihr einen Helden, der einer von 13 Klassen angehört, und sich durch drei Ebenen eines Dungeons schlagen muss, die gespickt sind mit Feinden, aber auch mit Heilfeldern, Läden und anderen kleinen Helfern. Ziel ist es, am Ende der dritten Ebene den Endboss zu schlagen. Bis dahin solltet Ihr Euren Charakter auf den Maximallevel 10 gebracht und sein Deck so verbessert haben, dass er diesem Kampf auch gewachsen ist.

dreamquest3

In Läden könnt Ihr gegen Gold hilfreiche Karten kaufen.

Neue Karten gibt es alle paar Kämpfe durch einen Levelup, in Shops oder in Schatzkisten. Findet Ihr auf der ersten Dungeoneben zunächst noch eher schwache Karten, sind später einige richtige Gamechanger dabei – auf die Ihr aber auch bei den Gegnern vorbereitet sein müsst. Seine Spannung beszieht Dream Quest aus der Kombination des endgültigen Todes bei einer Niederlage – dann sind alle gesammelten Karten und Level wieder weg und Ihr startet neu – und der beschränkten Verfügbarkeit der Karten. „Bless“ hat Euch im letzten Spiel mehrfach gerettet und Ihr möchtet die Karte gerne wieder haben? Kann klappen, muss aber nicht. Wenn Ihr die Karte in keinem Shop findet und in keiner Schatztruhe, dann müsst Ihr eben in dieser Runde ohne sie auskommen. Daher müsst Ihr in jeder Runde Eure Strategie neu ausrichten und die Zusammenstellung Eures Decks neu planen.

Einen dauerhaften Fortschritt erzielt Ihr einzig durch Achievements. Je besser Ihr in einem Durchgang durch den Dungeon abschneidet, desto mehr Achievementpoints erhaltet Ihr dafür. Diese könnt Ihr nach einer Runde für einige dauerhaft bestehen bleibende Verbesserungen ausgeben. So startet Ihr mit mehr Leben oder Gold, schaltet neue Karten (die dann in Shops auftauchen können, aber nicht müssen) sowie Talente frei oder gleich eine neue Klasse, die sich meist tatsächlich anders spielt und über einige eigene Mechaniken verfügt. Der Samurai beispielsweise heilt nach jedem Kampf vollständig, der Mönch kann unerwünschte Karten aus seinem Deck werfen und der Krieger kann Dungeonwände zum Einsturz bringen und so Abkürzungen erschaffen.

dreamquest2

Der Kampfbildschirm

Der Kampf läuft in einem nicht allzu komplexen, aber durchaus sehr gelungenen Kartenspiel ab. Angriffskarten könnt Ihr immer spielen, Aktionen nur mit Aktionspunkten und Zauber nur mit Mana. Es gibt verschiedene Schadensarten, Resistenzen, Ausrüstung, sogar Konterkarten gegen gegnerische Aktionen (hier sollten die Hearthstone-Entwickler mal spicken). Die Klassen spielen sich teils stark unterschiedlich. Der Schurke etwa haut viele kleine Schadenswerte raus, die aber mit der richtigen Ausrüstung etwa noch vergiften oder Bonusschaden machen. Dazu zieht er viele Karten nach und kann mit Finishern gut nachlegen. Magier werfen mit Zaubern um sich und Priester heilen und schützen sich immer wieder. Mischklassen wie der Mönch oder der Pala kombinieren die Styles.

Ihr gewinnt nur, wenn Ihr Eure Schadensquellen gut auf die zur Verfügung stehenden Ressourcen anpasst. Der beste Zauber hilft nichts, wenn Ihr kein Mana generieren könnt. Wichtig ist es daher, Euer Deck sorgfältig zu planen. Nicht jede Gratiskarte aus einer Schatztruhe ist auch eine Verstärkung. Nehmt Ihr solche Karten dennoch in Euer Deck auf, werdet Ihr Euch früher oder später ärgern, wenn Ihr sie zieht und nicht eine, die Ihr gerade viel besser gebrauchen könnt. Nach und nach wächst Euer Deck an, aber spätestens in der dritten Ebene des Dungeons solltet Ihr besser einen Plan gehabt haben und ihn bis dahin möglichst umgesetzt haben (ähnlich wie beim Draften in Magic:The Gathering).

dreamquest4

Das war´s – mal wieder.

Die Kämpfe machen immer wieder Spaß und wenn Ihr unterliegt wisst Ihr meistens auch warum. Entweder war die Offensive zu schwach, die Defensive nicht tragfähig, Ihr habt den falschen Gegner unvorbereitet angegriffen oder – bei Kartenspielen leider kaum zu verhindern – Ihr hattet richtig Pech mit den Karten. Der dicke Zauber bleibt in den Resistenzen hängen, der Schutzschild wird gekontert und die rettende Heilung wurde Euch in der Runde zuvor aus der Hand gerissen und Ihr zieht nur Karten nach, die Ihr schon längst aus dem Deck geworfen hättet, wenn Ihr gekonnt hättet. Dann folgen unweigerlich der Tod und ein Neustart. Wieder und immer wieder.

Anfangs könnt Ihr froh sein, wenn Ihr die erste Ebene des Dungeons übersteht, später geht es zuverlässig in die zweite und meistens in die dritte. Wird auch das zur Routine, könnt Ihr den Schwierigkeitsgrad hochschrauben und dadurch mehr Achievementpoints erhalten. Schlagt Ihr den Endboss des dritten Dungeonslevels im höchsten Schwierigkeitsgrad, wartet zudem noch ein Bonusboss auf Euch. Wenn Ihr den besiegt habt … nun, sagt Bescheid, mir ist es noch nicht geglückt.

Dream Quest entfaltet, wenn man Roguelikes und Sammelkartenspiele mag, ein unglaubliches Suchtpotenzial. Jede Runde dauert maximal 20-30 Minuten und mit jeder neuen freigeschalteten Karte, aber vor allem mit jeder neuen Spielerfahrung, werdet Ihr etwas besser und kommt weiter. Unschön ist – neben der „Grafik“ – eigentlich nur der etwas zu große Zufallsfaktor. Manche Runden sind einfach nicht zu gewinnen. Nur die falschen Karten in den Shops, ständig Gegner, die gegen die eigenen Angriffe resistent sind und dann noch ein Elitegegner, der den einzigen Durchgang zur rettenden Oase mit Heilung versperrt.

Dream Quest gibt es für iOS zum Preis von 2,99 Euro.