A walk in: The Park

By Jörg
In Games
Okt 29th, 2015
0 Comments
1357 Views

Ein Freizeit-Park, eine Mutter, ein verschwundenes Kind, Dunkelheit, eine große Prise Wahnsinn und das Setting des hauseigenen MMOs „The Secret World“ sind die Zutaten für Funcoms kleine Fingerübung in Sachen Gruselatmosphäre.

I’ve got to get some sense back into my head
I’m in the dark and I can’t see where I’m being led
I’d give the world to set the clock back
and act like a man
where can I turn
to save myself from this confusion

A walk in the park a step in the dark
a walk in the park a trip in the dark
I’m getting away escaping today
a walk in the park

„A Walk in the Park“ von der Nick Straker Band

Ich weiß nicht, ob der Song der Nick Straker Band Einfluss auf die Entwicklung von „The Park“ hatte, aber er passt exzellent: Lorraine hat mit ihrem Sohn Callum den gerade schließenden Atlantic Island Park auf Solomon Island verlassen, als der Junge wieder auf das Gelände rennt, um seinen verlorenen Teddybären zu suchen. Lorraine folgt ihm und findet sich bei Dunkelheit in einer seltsam veränderten, verfallenen Version des Freizeitparks wieder.

Spielmechanisch ist in den folgenden etwa zwei Stunden nicht viel zu tun: Laufen mit WASD, ab und an Objekte mit der linken Maustaste anklicken und mit der rechten Maustaste nach Callum rufen. Letzteres erfüllt zwei Funktionen. Erstens antwortet und Callum und – Surround Sound vorausgesetzt – lotst Euch so in die richtige Richtung. Nicht, dass das bei dem eher schlichten Parklayout notwendig wäre. Zweitens hebt das Spiel klickbare Objekte in der Umgebung hervor, so dass wir auch ja nichts übersehen können. So leitet ihr Lorraine durch den Park, führt Selbstgespräche, lest Dokumente, benutzt die Rides und löst mitunter gescriptete Aktionen der Umgebung aus.

Das ist weder besonders abwechslungsreich noch herausfordernd, aber es stützt die eigentliche Stärke von „The Park“: Die Atmosphäre. Gerade weil das Gameplay so locker flockig von der Hand geht, könnt Ihr Euch ganz dem düsteren nächtlichen Park hingeben, der auf einmal aussieht, als würde er schon Jahrzehnte vor sich hin rotten, dem fernen Rufen von Callum, dem nervenden Knacken aus Lautsprechern, der aus den Augenwinkeln erblickten seltsamen Figur im Streifenhörnchenkostüm. 2015-10-28_00001Wenn Ihr Euch darauf einlasst, das Licht ab- und den Sound aufdreht, entführt Euch das Spiel so in seine Welt. Mir ist während des Spielens dreimal ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen, vom Ellenbogen hoch über die Schulter bis zu den Rippenansätzen hinunter, inklusive Gänsehaut und Schaudern. Das ist mir in einem Spiel schon sehr lange nicht mehr passiert. Ausgelöst wurde das nicht durch brachiale Schockmomente, sondern zum Beispiel durch das doofe Gefühl, das hinter „mir“ jemand steht, als ich Lorraine durch eine enge Gasse führte, zurückweichen wollte und auf einmal auf Widerstand stieß, wo ich eben noch langgelaufen war.

Ergänzt wird diese unbestimmte Intensität mit gescripteten kleinen Schockmomenten, von denen plötzlich aus dem hohen Gras aufsteigende und flatternde Vögel noch der harmloseste sind. So pendelt man zwei Stunden lang zwischen optisch schick gemachten Highlights im Park wie einem Karussell im Octopus-Look oder einem Ausblick aus dem Riesenrad, kleineren und größeren Schockmomenten, Monologen Lorraines und beständigen kleinen neuen Storyfetzen. So entsteht langsam die Geschichte des Parks, seines Eigentümers, Lorraines und ihrer Verwandschaft, die zwar alle weit weg von normal sind, aber leider trotzdem nicht immer überraschen können. Toll für Fans und Kenner von „The Secret World“ sind aber die zahlreichen Anspielungen auf die dortige Lore.

Gemütlich sieht das nicht aus.

Gemütlich sieht das nicht aus.

„The Park“ ist wie eine sehr lange Story-Quest aus „The Secret World“, aber reduziert auf die reine Atmosphäre und Story, ohne das umgebende Gameplay. Ob einem das 13 Euro wert ist, muss jeder selbst entscheiden (zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels kann man das Spiel allerdings bei greenmangaming.com dank Rabatt & Gutschein für 8 Euro bekommen). 13 Euro ist circa der Gegenwert eines Kinobesuchs. Etwa genauso lang unterhält das Spiel, der Wiederspielwert ist eher gering. Mir hat der Trip durch den Park gefallen.